Acetylcystein: Ein altbekannter Wirkstoff

Acetylcystein
Die am weitesten verbreitete Einnahmeform von Acetylcystein: Als Brausetablette oder Brausepulver.

Selbst wer relativ wenige oder nur sporadisch Medikamente einnimmt, der kennt den Wirkstoff Acetylcystein. Denn die meisten Menschen machen mindestens einmal im Leben Bekanntschaft mit dem sogenannten Schleimlöser. Die wohl am weitesten verbreitete Einnahmeform sind hier Brausetabletten, die in Wasser aufgelöst und dann getrunken werden.

Mittlerweile gibt es den Wirkstoff aber auch in Arzneisäften oder in sogenannten Direkt-Sticks, welche besonders praktisch für die Einnahme unterwegs sind.

Und auch wenn es so manchen so vorkommen mag, so ist der Wirkstoff gar nicht so neu auf dem Markt. Denn erfunden wurde Acetylcystein schon in den 60er-Jahren. Und seitdem wird zur Behandlung von Husten eingesetzt. Allerdings waren Medikamente mit diesem Wirkstoff nicht immer rezeptfrei zu haben.

Erst seit etwa 25 Jahren sind die Schleimlöser mit Acetylcystein rezeptfrei in der Apotheke zu bekommen.

Acetylcystein ist für seine schleimlösende Wirkung ausreichend bekannt. Eine Tatsache, die hingegen weniger bekannt ist, ist diese, das Acetylcystein auch als Gegengift bei einer Überdosierung von Paracetamol zum Einsatz kommen kann. Eine Überdosierung von Paracetamol kann nämlich schwere Schäden an der Leber verursachen, sofern nicht frühzeitig gehandelt wird. Der Wirkstoff Acetylcystein kann hier das Schlimmste verhindern, zumindest dann, wenn er noch rechtzeitig verabreicht wird.

Und so wird Acetylcystein neben seiner schleimlösenden auch noch eine Zell-schützende sowie antioxidative Wirkung zugeschrieben. Zahlreiche Versuche haben es mittlerweile bewiesen, dass der Wirkstoff den Spiegel der zelleigenen Oxidantien senkt und die toxische Wirkung oxidierender Fremdstoffe abmildert. Deswegen ist Acetylcystein in der experimentellen biomedizinischen Forschung einer der Antioxidantien, die am häufigsten zum Einsatz kommen.

Was hingegen lange im Dunkeln geblieben ist, wie Acetylcystein eigentlich die antioxidative Wirkung entfalten kann. Lange Zeit wurde nämlich davon ausgegangen, dass die Wirkung aus einer direkten Reaktion mit den Oxidantien hervorgeht. Doch diese Annahme konnte nicht bestätigt werden. Aber es wurde lange auch keine andere Erklärung gefunden.

Mittlerweile ist jedoch klar, dass der Wirkstoff in den Zellen recht schnell zu Persulfiden umgewandelt wird. Dadurch das Persulfide mit hoher Effizienz die Oxidationen auf sich lenken und können so ihre Zell-schützende Wirkung entfalten. Ganz einfach ausgedrückt, funktionieren Persulfide ähnlich wie ein Blitzableiter.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here